Global Earth Strike - Weltweiter Klimastreiktag

Aufruf der Interventionistischen Linken Darmstadt
29. November 2019
Global Earth Strike - Weltweiter Klimastreiktag

Schluss mit der Tatenlosigkeit! Für ein Klima für alle!

Für den 29. November ruft die neue Klimabewegung zu einem weiteren weltweiten Klimastreik auf. Während die herrschende Klimadiplomatie auf der Weltklimakonferenz COP 25 in Madrid weiter leere Versprechungen abgeben wird, gehen wir erneut in den Städten massenhaft auf die Straße und werden mit Ende Gelände die Kohleinfrastruktur in der Lausitz lahm legen.

Die 1,4 Millionen Menschen, die im September allein in Deutschland zum globalen Klimastreik für "system change, not climate change" auf den Straßen waren und die vielen kleinen Aktionen zivilen Ungehorsams waren ein Riesenerfolg für die neue Klimabewegung. Das am gleichen Tag von der Bundesregierung beschlossene Klimapaket ist hingegen nicht mehr als hilflose Symbolpolitik. Ein Zeichen von Ignoranz gegenüber all jenen (jungen  und alten) Menschen, die seit Jahren vehement darauf hinweisen, dass unsere gemeinsame Lebensgrundlage durch die herrschende Klimapolitik wissentlich aufs Spiel gesetzt wird.

How dare you!

Diese Ignoranz ist kein Zufall. Ein sofortiger Kohleausstieg? Ein Bruch mit der industriellen Landwirtschaft? Eine Abkehr vom motorisierten Individualverkehr? Alles Fehlanzeige. Das Versagen der herrschenden Klimapolitik liegt nicht an schlechter Beratung oder Unkenntnis über die klaren Aussagen der Klimawissenschaft. Sondern daran, dass die Profitinteressen der Kohle- und Autoindustrie, der Agrarlobby, der Chemiekonzerne weltweit eng mit der politischen Macht verstrickt sind.

Die Realität ist so simpel wie brutal: Wenn für die Interessen der fossilen Industrien weiterhin ungebremst täglich zig Millionen Tonnen von CO2 in die Atmosphäre geblasen werden, erreichen wir in wenigen Jahren klimatische Kipppunkte, die unseren Planeten nahezu unbewohnbar machen werden. Deshalb ziehen wir am 29. November eine Linie.

Wenn die Überhitzung unseres Planeten abgewendet werden soll, dann muss die Klimabewegung größer, stärker, entschlossener und radikaler werden, um sich gegen die organisierte Traurigkeit durchzusetzen.

Wir dürfen die Verantwortung für den dringend notwendigen sozialen und ökologischen Wandel unserer Gesellschaft weder an Regierungen delegieren noch auf unser individuelles Verhalten reduzieren. So wichtig ein niedriger ökologischer Fußabdruck im Alltag für die Überprüfung der eigenen Lebensweise ist und so genug tuend es sein mag, wenn sich plötzlich alle möglichen Politiker*innen und Unternehmer*innen zu dem Problem bekennen, die Klimafrage bleibt eine politische Frage: Sie ist die Gerechtigkeitsfrage des 21. Jahrhunderts!

Do the obvious thing!

Es ist unsere Aufgabe als Klimabewegung, die offensichtlichen Profitinteressen und die Lobbymacht der fossilen Industrien zu benennen. Etwa ein Drittel der weltweiten CO2 Emissionen geht auf 20 Erdöl- und Energieunternehmen zurück, deren Überschüsse darüber hinaus gigantische Kapitalströme in Gang setzen, die überall auf der Welt nach Verwertung streben. Daraus folgen Landgrabbing, Immobilienspekulation, und Schuldenkrisen.

Die politische Bruchlinie verläuft zwischen Hauptverursachenden und den jeweils auf spezifische Art Leittragenden der Klimakrise. In ihr verschärft sich die ungleiche Verteilung von Wohlstand, knappen Ressourcen, Zufluchtsorten und demokratischen Gestaltungsmöglichkeiten. Gerade die Menschen, die am wenigsten zur Erderwärmung beigetragen haben, werden am härtesten von den Folgen getroffen.

Emancipate!

Der Philosoph Mark Fisher schrieb in seinem Buch „Kapitalistischer  Realismus“, dass es angesichts der eskalierenden sozialen Ungleichheit, dem Aufstieg rechter Parteien und der sich rasant zuspitzenden Klimakatastrophe scheinbar einfacher sei, sich das Ende der Welt vorzustellen, als ein Ende des Kapitalismus.

Doch aufgrund der drohenden sozialen und ökologischen Verwüstungen stellt sich die Frage nach emanzipatorischen gesellschaftlichen Alternativen dringender denn je. Um das Klima zu schützen braucht es eine gesamtgesellschaftliche Emanzipation, die die Erfahrungen und Kämpfe der vielen sozialen Bewegungen der letzten Jahrzehnte zusammenführt.

Für globale Gerechtigkeit

Der Klimawandel ist bereits heute eine der Hauptfluchtursachen weltweit. Die imperiale Wirtschafts- und Lebensweise des globalen Nordens zerstört seit Jahrhunderten die sozialen und ökologischen Lebensgrundlagen von Millionen von Menschen im globalen Süden. Anstelle von Abschottung, Entrechtung und Leugnung des Klimawandels brauchen wir globale Bewegungsfreiheit, Bleiberecht für alle und globale Gerechtigkeit!

Für radikale Demokratie und Selbstbestimmung

Wenn wir nichts  unternehmen, werden uns in naher Zukunft Klimakatastrophen vorschreiben, wie wir zu (über)leben haben. Anstelle von Sachzwang, autoritärem Geo-Engineering und  technokratischer Expertensteuerung müssen wir auch in Zukunft kollektiv demokratisch darüber entscheiden können, wie wir gesellschaftlich zusammenleben. Selbstbestimmung und radikale Demokratie meint aber nicht nur politische Teilhabe, sondern auch eine demokratische Steuerung unserer Wirtschafts- und Reproduktionsweise.

Für Vergesellschaftung und sozial-ökologische Transformation

Der fossile (sowie der grüne) Kapitalismus wird weiterhin die Profitinteressen einzelner privater Unternehmen vor die Interessen der Allgemeinheit stellen. Die Klimakrise wird sich nur dann lösen lassen, wenn wir die gesellschaftliche Kontrolle über Grundgüter unserer Gesellschaft erlangen und die Produktion in Einklang mit den ökologischen und sozialen Bedürfnissen ALLER Menschen bringen. Statt Extraktion und blindem Wachstum brauchen wir eine Regeneration der zerstörten Ökosysteme und eine deutliche Reduktion der (Lohn-)Arbeitszeit.

Füße in die Grube statt Kopf in den Sand

Kommt mit uns am  29.11. auf die Straße. Schluss mit Kapitalismus und dem fossilen Zeitalter. Gemeinsam für globale Klimagerechtigkeit und eine emanzipatorische Zukunft!

Am anschließenden Samstag, den 30.11. werden wir dann bei Ende Gelände mit tausenden Klimaaktivist*innen die Braunkohleinfrastruktur in der Lausitz  lahmlegen. Wir werden dorthin gehen, wo die Hauptverursacher der Klimakrise ihr Unwesen treiben, unsere Körper einsetzen und dieses gemein-gefährliche Treiben unterbrechen.